Leseproben

TROST UND RAT 1.0
WIE KOMMT MAN AN SICHERE PASSWÖRTER?

„First things first“, wie der Brite sagt: das Wichtigste zuerst. Darum müssen wir uns zum Einstieg mit Passwörtern befassen. Denn wenn mal wieder die völlig unzureichend geschützte Kundendatenbank eines Cloud-Service-Anbieters geknackt und auf dem Schwarzmarkt angeboten wird, dann möchte man natürlich nicht als einer jener Nutzer dastehen, über deren stümperhafte Passwortwahl sich die Hacker kopfschüttelnd und schenkelklopfend lustig machen. Hier heißt es: Wenn schon untergehen, dann wenigstens erhobenen Hauptes und schwer merkbaren Passworts! Deshalb folgen nun zehn handverlesene Tipps für das persönliche Passwortmanagement.

Viele Passwörter bestehen nur aus einer Abfolge schwarzer Boppelchen. Das ist einfallslos und gilt als extrem unsicher!

1. Als sehr sichere Methode für die Do-it-yourself-Passworterzeugung empfehlen Fachleute Zeichenfolgen, die aus den Anfangsbuchstaben der Wörter eines Satzes bestehen. Dadurch muss man sich keine kryptische Buchstaben- und Zahlenkombinationen merken, sondern nur eine leicht memorierbare Aussage aus der eigenen Lebenswelt. Ein Beispiel: Der Satz „Kommenden August macht Erich Langlauf“ ergibt das Passwort „Kamel“. Mit so einer ausgefallenen Passphrase kann man sich guten Mutes in die wilde weite Web-Welt stürzen, denn da kommt ein Hacker nie drauf.

2. Geben Sie Ihrem Haustier möglichst einen Namen, der neben Groß- und Kleinbuchstaben auch Zahlen und Sonderzeichen enthält, zum Beispiel:
„Waldi2NachdemWaldi1vomBusüberfahrenwurdeSchluchz!“
Auf diese Weise können Sie getrost den Namen Ihres vierbeinigen Lieblings als Passwort verwenden.

3. Gehen Sie am besten auch bei der Namenswahl ihrer Kinder so vor wie unter Punkt 2 beschrieben. (Gemeint ist hier nur das in Punkt 2 beschriebene Prinzip. Es ist für Ihre Passwortsicherheit nicht erforderlich, dass Ihre Kinder vom Bus überfahren werden.) Vermeiden Sie abgelutschte Allerwelts-Kindernamen wie „Kevin“ oder „Passwort123“.

4. Legen Sie Ihre Passwörter nie ohne ein spezielles Verschlüsselungsprogramm auf der Festplatte ab. Als bekanntester Passwort-Safe dieser Art gilt Microsoft Word, aber auch Excel ist sehr beliebt.

5. Verwenden Sie für jeden Online-Dienst, den Sie nutzen, ein eigenes Passwort. Nehmen Sie also zum Beispiel „Facebook“ für Facebook, „Online-Banking“ für das Online-Banking und „Verspätung“ für die Ticket-Buchung auf bahn.de.

6. Sind Sie neu in einem Unternehmen und sollen Sie sich eine Login-Passphrase ausdenken, dann schicken Sie das Passwort Ihrer Wahl sicherheitshalber per E-Mail „an alle“ mit der Frage, ob es jemand bereits benutzt. Klären Sie die neuen Kollegen auf, dass Dopplungen bei Passwörtern das Sicherheitsniveau einer Firma senken und Sie das Niveau der Login-Sicherheit deshalb erst mal „checken“ wollen.

7. Falls Sie zwischen zwei möglichen Passwörtern schwanken, dann lassen Sie doch einfach auf Facebook darüber abstimmen. Sie werden erstaunt sein, was für interessante Kontakte und Diskussionen sich daraus ergeben.

8. Viele Anwender können sich ihr Passwort nicht merken und schreiben es deshalb auf einen dieser gelben Post-it-Zettel, den sie dann an den Rand des Displays kleben. Das geht gar nicht! Insbesondere bei Apple-Fans beißt sich das blasse Gelb mit dem schicken Design des MacBook Air. Wahre Apple-„Fanbois“ kaufen deshalb „iPost-its“ in Weiß oder im stylischen Farbton „Gebürstetes Alu“, erhältlich im Apple Shop, 50 Stück für nur 24,99 Euro.

9. Falls Sie Kinder im Alter bis fünf Jahre haben: Klären Sie die Kleinen auf, dass man Passwörter niemals jemand anderem verraten sollte, auch dann nicht, wenn er als Nikolaus verkleidet ist und droht, Geschenke nur gegen Nennung des Facebook-Passworts rauszurücken. Ignorieren Sie diesen Tipp aber, wenn Sie den Nikolaus-Trick selbst mal anwenden wollen. (Falls Sie Kinder im Alter ab sechs Jahren haben: Ihre Kinder kennen sich längst viel besser mit Passwörtern aus als Sie selbst. Und sie haben auch das Passwort des DSL-Routers längst geknackt und die Kindersicherung deaktiviert. Schließlich haben die lieben Kleinen schnell kapiert, wieso der neue Yorkshire-Terrier so einen komischen Namen hat.)

10. Wenn Sie sich Passwörter absolut nicht merken können, dann schreiben Sie diese am besten auf einen kleinen Zettel und legen ihn in die Brieftasche. Geht die Brieftasche eines Tages verloren oder wird gestohlen, dann haben Sie jetzt natürlich ein Problem. Aber wenn Sie sich Passwörter absolut nicht merken können, dann haben Sie sicher auch ihre PIN auf die EC-Karte geschrieben. Und weil die EC-Karte ebenfalls in der Brieftasche war, sind Sie nun sowieso ruiniert. Somit ist die Frage, wer Ihr Twitter-Passwort kennt, erst mal Ihre kleinste Sorge.

Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein, denn unsere neue Folge heißt: „Hilfe! Ich sitze auf einer Gästetoilette, das Klopapier ist alle, und das einzige Papier, das ich bei mir habe, das ist der Zettel mit all meinen Passwörtern!“

 

DATENSCHUTZ TROTZ FACEBOOK UND GOOGLE
FAST SICHTBARE FASSADEN
ODER: WIE SCHÜTZE ICH DIE PRIVATSPHÄRE MEINES HAUSES?

Meine treuen bayerischen Untertanen,

wie manche von euch sicher wissen, weile ich nicht unter den Toten, sondern vielmehr als Gespenst in meinem Lieblingsschloss Neuschwanstein. Die meiste Zeit verbringe ich damit, im Kassenhäuschen den stetig hereinströmenden Zufluss von Bargeldmitteln gelangweilt wahrzunehmen und dabei unsichtbar, aber doch königlich-milde auf die wohlgeordneten Massen von, wie mir scheint, wohl meist fernöstlichen Besuchern herabzulächeln.

Den Gesprächen Einheimischer, denen mein königliches Ohr sich nicht verschließen konnte, war zu entnehmen, dass derzeit ein gewisser Herr Guhgl – offenbar ein wohlhabender, wissensdurstiger Privatier – Tage über Tage damit verbrachte, die Fassaden bayerischer und – man mag es kaum glauben – sogar nicht-bayerischer Bauwerke photographisch zu erfassen. Wohlgetan, Herr Guhgl, welch stattlich Projekt! Dieses ist, ich sage das ohne Spott, in seinen großartigen Ausmaßen manch einem meiner eigenen Vorhaben nicht unähnlich.

Kenntnis erhalten habe ich nun von einem neuartigen Verfahren, vom plappernden Volksmund „Verpixeln“ genannt, mit dem man wohl ein photographisch gebanntes Bürgerhaus mittels nachträglichen Eingriffs unkenntlich machen kann, um die Privatheit eben jenes Bürgers zu schützen und zu wahren. Auch dieses Verpixeln findet, wie ich hier kundtun möchte, mein königliches Wohlwollen, betrachte ich doch Tag für Tag mit nur mäßigem königlichem Wohlwollen einen nicht endenden Zug bereits erwähnter Besucher, die unter lautem Oh und Ah meine persönlichsten Gemächer durchstreifen und begaffen. Und die von umliegenden Anhöhen aus auch mein schönes Schloss mit lächerlich kleinen Apparaturen photographisch zu bändigen sich bemühen – obschon sicher vergeblich, wie ich nur mutmaßen kann.

Und deshalb fordere ich meine bayerischen Untertanen hiermit auf: Man möge umgehendst sämtliche photographischen Abbilder meines Schlosses auf die genannte Art und Weise verpixeln. Grau in grau möge Neuschwanstein auf Bildern erscheinen, unscharf und damit umso geheimnisvoller und erhabener!

Denn auch einen untoten Märchenkönig dürstet es nach Privatheit, die ihm bislang grausam vorenthalten wurde.

Diktiert zu Hohenschwangau, den 23. November A. D. 2010,

XXXXXX

König XXXXXX der II. von Bayern
[Name aus Gründen des Datenschutzes unkenntlich gemacht]

 

Diese Auszüge stammen aus meinem Buch „Was Sie schon immer über DAS BÖSE INTERNET wissen wollten… aber nie zu fragen wagten“. Bestellen kann man das Buch hier.